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Zum Sonntag von Diakon Anja Schawohl Kirchengemeinde Ehlershausen-Ramlingen-Otze
Nur einen Sommer lang
Schau nur, wie schön er ist!“ Ich machte meine Freundin auf ihn aufmerksam. Bei herrlichstem Frühlingswetter hatten wir beschlossen, eine Radtour zu unternehmen. Wir fuhren einfach los, hinaus ins Grüne und genossen das Frühlingserwachen in der Natur um uns herum. Nach einer Weile hielten wir an, um auf einer Wiese zu picknicken.
Da sah ich ihn. Er war wunderschön anzusehen: kleine orange Kreise, dazwischen zarte gelbe Striche, ein warmes Braun an den Rändern. Zierliche Flügelbewegungen. Er flog von Blüte zu Blüte und es war eine Freude, ihn zu beobachten. Diese Leichtigkeit, mit der er sich fortbewegte. So zart gebaut und seine Farben glänzen in der Sonne. „Ja“, stimmte mir meine Freundin zu, „er ist wirklich hübsch. Einmalig in seiner Farbenpracht. So einen gibt es nicht noch einmal. Er ist ein Original in der Vielfalt der Schöpfung.“ Und dann fuhr sie fort: „Aber der Schmetterling lebt nur einen Sommer.“
Dieser Gedanke bewegt mich: Der Schmetterling lebt nur einen Sommer – mir aber sind viele geschenkt. Auch ich bin ein Original. Wenn ich mich im Spiegel betrachte, sehe ich mein Gesicht. Das ist sicher nicht so hübsch wie das des Schmetterlings. Aber trotzdem einmalig. Der Schmetterling erfreut uns mit seinem Anblick – vielleicht kann er ein Vorbild für mich sein?
„Wie meinst du das“, fragt mich meine Freundin. „Ich kann mit der Schönheit des Schmetterlings nicht mithalten“, antworte ich, „aber ich kann trotzdem dazu beitragen, dass sich Menschen freuen. Wenn ich dem Schulkind zulächele, das morgens ängstlich um sich blickend an mir vorbei läuft, wenn ich ein freundliches Wort für die gehetzte Kassiererin im Supermarkt finde, mir eine Viertelstunde Zeit nehme, um meinem betagten Nachbarn zuzuhören – dann ist das eigentlich gar nicht so schwierig und schenkt Freude. Und ich habe Zeit, mich darin einzuüben. Denn der Schmetterling lebt nur einen Sommer – mir aber sind viele geschenkt.“
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